DER WINTER NAHT(E) !

… am 19.06.26 definitiv nicht. Im Gegenteil: Wir befanden uns gefühlt mitten in der Wüste von Dorne, ohne auch nur die geringste Aussicht auf erfrischendes Eis. Es war einer jener Tage, an denen die Verlockung des heimischen Sofas (unseres persönlichen Eisernen Throns) eigentlich viel größer war als der Drang, in die Schlacht zu ziehen. Die Temperaturen in der Halle an der Querbreite glichen nicht nur dem Atem eines Drachen, man fühlte sich eher wie in den rauchenden Ruinen von Harrenhal kurz nach einem Drachenangriff. Kurz gesagt: Wir stellten fest, dass sich die eigene Dynamik auf dem Feld umgekehrt proportional zur steigenden Thermik in der Halle verhält. Ein klassischer Fall von angewandter Thermodynamik, wie ihn selbst die weisen Gelehrten und Maester in der Zitadelle von Altsass nicht treffender hätten beschreiben können!

Als wir uns in den Hallen der Söldnerkompanie des „Freitagsteams“ einfanden, wurde durch die extrem knappe Hallenbuchung des Gegners (20:15 bis 21:45 Uhr) schnell klar, dass die Zeit drängte. Es musste also alles ganz schnell gehen, wenn wir pünktlich in unsere heimischen Königreiche und auf die Sofas zurückkehren wollten. Schon das obligatorische Aufwärmen glich eher einem unfreiwilligen Gewaltmarsch durch die Rote Wüste. Als ob diese drakonische Hitze nicht schon Herausforderung genug gewesen wäre, mussten wir auch noch personell improvisieren. Unser etatmäßiger Diagonalspieler Tobi hatte beschlossen, die Meerenge zu überqueren und verweilte lieber im wohlverdienten Urlaub (vermutlich im fernen Essos, jedenfalls weit weg von jeglicher Hallen-Thermik). Da uns somit ein gelernter Dia fehlte, wurde die Aufstellung kurzerhand durcheinandergewürfelt: Unser Lord Kommandant Kevin übernahm mutig die ihm ungewohnte, aber ehrenvolle Wache auf der Diagonalen, während Justin und unser tapferer Recke Fritz gemeinsam die Außenposition besetzten und dort Angriffe schlugen, die sich wie valyrischer Stahl durch den gegnerischen Block schnitten. Die Mitte wurde derweil von Benni und Richard wie eine unüberwindbare Eismauer des Nordens verriegelt, an der die gegnerischen Angriffe wie harmlose Schneebälle zerschellten – meistens. Nine und Dogi zogen als „Hände des Königs“ im Zuspiel meisterhaft die taktischen Fäden, während Ente und Daniel als furchtlose Mitglieder der Nachtwache auf der Libero-Position unermüdlich das eigene Feld verteidigten. Gelenkt wurde dieser hitzige Feldzug von Coach Uhri, der selbst im größten Chaos stets die tiefenentspannte Ruhe eines weisen Maesters bewahrte und die Dinge gewohnt locker sah. Zusätzlichen moralischen Beistand leisteten unsere treuen Bannerträger und Edelfans Julie und Steffen F., die trotz der drakonischen Hitze tapfer mit ihm an der Seitenlinie ausharrten.

Doch trotz der umbaubedingten Verwirrung, dem Schweiß und der schweren Beine schien uns die Götter gewogen zu sein – oder besser gesagt, die Physik. Die erwähnte Thermodynamik hatte nämlich einen äußerst interessanten Einfluss auf das Flugverhalten des Balles. Durch die drückende, heiße Luft schwebten einige Bälle gefühlt ewig wie Raben aus Winterfell, andere fielen überraschend schnell und steil zu Boden wie ein junger Bran Stark von seinem Turm. Glücklicherweise passten wir uns diesen aerodynamischen Anomalien deutlich besser an als unsere Gastgeber. Unsere Jubelschreie nach jedem gewonnenen Punkt hallten ohnehin durch die Halle wie das Gebrüll der Schattenwölfe von Winterfell.

Das Ergebnis auf dem Schlachtberichtsbogen spricht jedenfalls eine sehr deutliche Sprache: Trotz der infernalischen Hitze bewahrten wir stets einen kühlen Kopf und schafften es endlich mal wieder, ohne große Aufregung unseren eigenen Stiefel durchzuziehen. Ein souveräner Zustand, den wir am liebsten als ehernes Gesetz in die Chroniken unseres Hauses meißeln würden – denn genau so, und nicht anders, sollte eine Schlacht immer ablaufen! Im ersten Satz machten wir mit 25:13 kurzen Prozess und fegten wie die Dothraki über das Feld. Der zweite Satz war minimal umkämpfter, ging aber mit 25:17 ebenfalls an uns, da wir wie eine gut geölte Belagerungsmaschine funktionierten. Maßgeblich für diesen anhaltenden Erfolg war auch der obligatorische Wechsel im Zuspiel und auf der Libero-Position, der uns in der sengenden Hitze immer wieder lebensrettende Verschnaufpausen am Spielfeldrand bescherte. Der dritte Satz endete schließlich als exakte Kopie des zweiten (25:17) – fast so, als hätten die Alten und Neuen Götter es von vornherein genauso vorherbestimmt. Den glorreichen Schlusspunkt setzte dabei Benni, dessen letzte beiden Aufschläge wie das Drachenfeuer von Drogon auf der gegnerischen Seite einschlugen und uns mit zwei krachenden Assen den Sieg brachten.

Ein glattes 3:0 für die tapferen Streiter des SV Eutritzsch I! Für die Söldner des Freitagsteams muss sich dieses Spiel am Ende angefühlt haben wie die Rote Hochzeit – kurz, schmerzhaft und völlig ohne Vorwarnung. Innerhalb der knappen Hallenzeit hatten wir unsere Pflicht mehr als erfüllt, die Hitze-Physik zu unseren Gunsten genutzt und den Gegner besiegt, der schlussendlich ehrfürchtig das Knie beugen musste. Nach gut einer Stunde war der Spuk vorbei, ganz nach dem Motto: Valar Dohaeris – Alle Menschen müssen dienen (oder in unserem Fall: schwitzen). Zur Feier des siegreichen Feldzuges belohnten wir uns in der Abendsonne natürlich noch mit dem feinsten Gerstensaft aus den Tavernen von Westeros – welchen unser „Meister der Münze“ Justin großzügig spendierte, denn ein Lannister begleicht schließlich stets seine Schulden (auch wenn es manchmal dauern kann). Erst danach durften wir alle dorthin zurückkehren, wo wir an diesem Tag ohnehin die ganze Zeit sein wollten: zurück auf den heimischen Eisernen Thron aus Plüsch. Möge unsere Herrschaft dort nun lang und vor allem schweißfrei sein – zumindest bis zum nächsten Spieltag.

Und sollte nun jemand der Meinung sein, die hier geschilderten Ereignisse hätten sich in Wahrheit ganz anders zugetragen, dem sei abschließend nur ein Satz entgegnet:

„Du weißt gar nichts, Jon Schnee!“

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