Tabellenführer gegen Tabellenvorletzten – eigentlich eine klare Sache. Doch Netz Werk hatte offenbar wenig Lust, sich an die Tabellenkonstellation zu halten. Nach einem souveränen ersten Satz machten es uns die Gäste zunehmend schwer, stellten sich geschickt auf unser Spiel ein und brachten uns ins Schwitzen. Am Ende stand zwar ein verdienter 3:1-Erfolg für Eutritzsch I, ein Selbstläufer war das Rückspiel allerdings ganz und gar nicht.

Als Gastgeber waren wir zwar schon vor dem Gegner in der Halle, unseren sonst üblichen kleinen Trainings- und Einspielvorsprung von rund 30 Minuten konnten wir diesmal allerdings nicht ganz nutzen. Eine kleine Verzögerung bei der Anreise von Docki mit Anhang und mir trug ihren Teil dazu bei. Immerhin blieb uns diesmal die blendende Sonne aus dem Hinspiel erspart.

Mit Justin, Fritz, Kevin, Tom-Henri, Richard, Tobi, Docki und mir im Zuspiel waren wir zu acht. Uhri übernahm wie gewohnt die Betreuung von außen, während Kevin als Kapitän auf dem Feld das Kommando führte. Für mich war es eine weitere Gelegenheit, mich auf der Zuspielposition einzufinden.

Der erste Satz verlief zunächst ganz nach unserem Geschmack. Wir fanden schnell ins Spiel, setzten den Gegner unter Druck und ließen kaum Zweifel an den Kräfteverhältnissen aufkommen. Mit einem souveränen 25:16 ging der Satz verdient an uns.

Auch im zweiten Satz starteten wir gut und erspielten uns eine komfortable Führung. Beim Stand von 23:10 schien die Sache bereits entschieden. Doch Netz Werk hatte andere Pläne: Die Gäste stellten sich zunehmend besser auf unser Spiel ein und kämpften sich Punkt für Punkt zurück. Selbst eine Auszeit unsererseits beim Stand von 23:15 brachte zunächst keine wirkliche Ruhe ins Spiel. Am Ende retteten wir den Satz mit 25:21 über die Ziellinie. Zwischenzeitlich hatte Uhri mich für und Docki ins Zuspiel gebracht.

Im dritten Satz verloren wir zunehmend unseren Rhythmus. Der nötige Drive fehlte, die Annahmen wurden ungenauer und auch der Block ließ zu oft Lücken. Netz Werk nutzte das geschickt aus. Vor allem die Diagonalangriffe und die Angriffe über die Mitte des Gegners bereiteten uns Probleme. Dabei fanden dessen Angreifer immer wieder Lücken in unserem Block, schlugen geschickt daran vorbei oder darüber hinweg. Wir nahmen unsere beiden Auszeiten (8:9 und 16:22), fanden aber nur schwer zurück ins Spiel. Auch Dockis Rückkehr aufs Feld brachte zunächst nicht die erhoffte Wende. Statt unser eigenes Spiel konsequent durchzuziehen, ließen wir uns zu sehr auf das Spiel der Gäste ein. Wir reagierten, wo wir eigentlich agieren wollten, und machten dabei immer wieder dieselben Fehler.

Im vierten Satz konnten wir dann doch noch einmal zeigen, warum wir an der Tabellenspitze stehen. Mit mehr Konsequenz, besseren Aktionen und zunehmend sicherem Spiel setzten wir uns ab. Netz Werk versuchte mit Auszeiten bei 9:5 und 16:6 noch einmal gegenzusteuern, konnte unseren Lauf aber nicht mehr stoppen. Mit 25:18 machten wir schließlich den Sack zu.

Unterm Strich steht ein verdienter Sieg, der allerdings deutlich mehr Arbeit machte als erwartet. Netz Werk präsentierte sich wesentlich stärker als noch im Hinspiel und wusste insbesondere mit seinen Angreifern zu überzeugen. Wir selbst machten es uns mit zu vielen Eigenfehlern und phasenweise fehlendem Elan unnötig schwer. Der letzte Funke wollte nicht überspringen, und so fehlte uns der nötige Biss, um unser Spiel konsequent durchzuziehen. Immerhin funktionierte die im Training von Uhri einstudierte Kreuzung mehrfach gut. Auch die eine oder andere Lücke in der gegnerischen Feldverteidigung konnten wir gezielt nutzen.

Für mich bleibt neben dem Sieg vor allem die Erkenntnis, dass die Umstellung auf die Zuspielposition noch etwas Eingewöhnung verlangt. Nach Monaten als Libero bin ich inzwischen überwiegend im Zuspiel zu Hause, mit gelegentlichen Abstechern auf die Diagonalposition. Drei Positionen, drei unterschiedliche Aufgaben – da muss nicht nur der Körper mitspielen, sondern auch der Kopf auf Zack bleiben. Schließlich sind beim Zuspiel plötzlich ganz andere Bewegungsabläufe und Muskelgruppen gefragt. Wer als Libero gewohnt ist, den Ball überwiegend von unten anzunehmen, merkt schnell, dass präzises Zuspiel von oben durchaus Unterarme und Hände beansprucht. Die müssen sich offenbar erst noch an ihren neuen Aufgaben gewöhnen. Da hilft nur Training – und vermutlich die eine oder andere zusätzliche Portion Kondition.

Als Tabellenführer gegen den Tabellenvorletzten hatten wir uns die Aufgabe sicherlich etwas einfacher vorgestellt. Zwei Punkte beziehungsweise ein Sieg mehr auf dem Konto sind es trotzdem. Und an den Baustellen können wir ja im nächsten Training arbeiten.

Eure Nummer 20

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